Hestur's Geflüster


19.9.15 
Rubrik Tussenpferd (Autorin Komikerin Birgit Groenewold)

Der Isländer:
Feuer und Eis....
In Island gibt es Gletscher, Geysire und Vulkane. Der größte Vulkan hat den recht einfach auszusprechenden Namen “Eyjafjallajökull”. Das klingt in etwa so, als wenn man 3 Isländer gleichzeitig ruft. Durch die extrem heißen und unebenen Lavafelder entwickelten sich die schnellen trippeligen Gänge des Isländer. Es sieht aus, als würden sie über glühende Kohlen laufen und kaum den Boden berühren. Die Hufe werden dabei möglichst hoch gerissen, um in der verlängerten Flugphase noch besser abzukühlen. Manche Isis heißen daher auch so ähnlich (Fakir oder so...)
Ähnlich wie ein Auto hat er 4 bis 5 Gänge. Er hat nur leider meistens einen mehr oder weniger schweren “Getriebeschaden”. Die isländischen Kommandos für Pass und Tölt sind anscheinend auch wahre Zungenbrecher, sonst könnte man ja einfach das Stimmkommando geben......
Außer Schritt Trab und Galopp, gibt es den Pass, quasi den “Kamelgang”. Freizeitreiter, die nicht so genau wissen , in welcher Stellung sie den Kopf dabei arretieren müssen, sind oft im sogenannten “Schweinepass” unterwegs. Dabei fehlt die Schwebephase und das ganze sieht dann so aus, wie ein Kamel mit einer fiesen Huflederhautentzündung.
Tölt kann man sich am besten so vorstellen: Eine Oma fährt im Auto im 1. Gang los und beschleunigt, ohne zu schalten (das machen Omas immer so!) auf ca. 50 km/h. Nur das der Isi dabei nicht so extrem aufheult wie der überdrehte Motor der Seniorenkarre.
Bei den Islandpferdereitern scheint es sich um echte “Weicheier” zu handeln. Sie tragen (auch im Hochsommer!!!) einen selbstgestrickten kratzigen Islandpulli aus (ökologisch wertloser )ungewaschener Schafwolle. Und darüber noch einen wasserdichten, und wahrscheinlich nicht atmungsaktiven Ice line Overall. Da er zusätzlich mit dicken Teddyfell gefüttert ist, sieht man in dem Ding so aus, wie ein “Sumo Ringer” in einem Motorradkombi. Darunter tragen sie eine Jodpurhose und statt langer Reitstiefel, nur kurze Stiefeletten, vermutlich damit das “Schwitzwasser” besser ablaufen kann. Im Winter kommen noch heizbare Einlegesohlen, ein Thermositzkissen und ein umfangreiches Sortiment aus Hand- und Taschenwärmer dazu. Die dazugehörige Autobatterie wird einfach in der Satteltasche verstaut. Sie haben besonders gepolsterte Rippsättel , obwohl ein Isi ja eh schon saubequem zu sitzen ist. Der Sattel hat viel zu lange Trachten, und sieht aus wie ein Katamaran, der in der Nierengegend auf “Grund” liegt..... Die “Sicherheits”-Steigbügel sind immer total verbogen, und haben anscheinend schon einige “Abgänge” hinter sich. Die Trense ist hannoveranischen Ursprungs und anscheinend nur in WB Größe zu bekommen, da sie immer viel zu locker sitzt und komplett auf der Nase hängt. Aufgrund der Kopf und Halshaltung reichen Minishettyzügel völlig aus. Isis haben Immer sonderbare Namen aus der Zeit der Wikinger und ihrer Götter, die man mit einer normalen Tastatur nicht mal schreiben, geschweige denn aussprechen kann.
Manche “Easy-Rider” haben ihre Zossen anscheinend gar nicht so lieb, das sieht man aber erst bei der Übersetzung der Namen:
z. B. : Roni = “Penner” Skratti = “Teufel” Eyoir = “Zerstörer”
Isis sind extrem klein und haben Sommer wie Winter so viel Fell wie ein Bison. Die Mähne wächst wie Unkraut in alle Himmelsrichtungen und für echte “Vulkanier” haben sie viel zu kleine Ohren. Sie sind sehr stabil gebaut und haben Beine wie ein Schwerlastregal. Deshalb können Isländer auch extrem viel schleppen. Ihre Größe in cm gibt exakt die max. Zuladung in kg an.
Es gibt sogar Turniere und Meisterschaften für die kleinen Zotteltiere, die einem Thellwell Pony verblüffend ähnlich sehen. Wie in der Formel 1 hat der Isi eine Rennstrecke: Die Ovalbahn. Im Passrennen geht es dort z.B. um die sogenannte “Kamel-Trophy”. Im Tölt liefern sie sich heiße Duelle, manchmal auch gegen die oben schon erwähnten Omas( ohne “Schaltambitionen”) . Mit fliegenden Hufen und hochgerissenem Köpfen knattern die kleinen Workaholics mit extrem weit hinten sitzenden Reitern in die Runde. Die Reiter sehen dabei aus, wie Wikinger in “Strumpfhosen”, die völlig erschütterungsfrei auf Kinder-Plüschpferden mit Rollen drunter, ihre Runden drehen. Um den viel zu weit hinten positionierten Reiter auszugleichen, tragen sie dabei an den Vorderhufen schwere Gewichte, welche bei der max. Zuladung aber zu vernachlässigen sind. Ab und an fährt ein Safety Car die Strecke ab, um die ganzen abgefallenen Gewichtsglocken und Ballenboots einzusammeln.
Bei den in Deutschland lebenden Isis tropft ständig irgendwo Öl raus. Man könnte meinen , das es sich aufgrund der “Schalt-Problematik” um Getriebeöl handelt. Nein, der im Exil lebende/leidende Isi muss mind. 5 x täglich wegen seinem Ekzem mit teuren Spezialölen (oder kostengünstig mit Altöl) eingerieben werden. Man kann das durchaus auch “auspendeln”, oder seinen Offenstall nach Feng Shui einrichten, aber der “Mist” hilft eh nix. Er trägt 7/24 seine maßgeschneiderte Ekzemerdecke , die aussieht wie ein gelungener Mix aus Strampelanzug , Zwangsjacke und Wurstpelle. Sie besteht aus mehreren Teilen und hat unzählige Ösen und Verschlüsse. Die Montageanleitung einer solchen Decke ist in ihrem Schwierigkeitsgrad durchaus mit einer IKEA Schrankwand vergleichbar. Dazu trägt er eine Fliegenmaske mit viel zu langen Ohrhüllen. Am wirkungsvollsten ist die, mit den schielenden Augen drauf. Es sieht dann einem Opossum zum verwechseln ähnlich und wird von den Plagegeistern komplett verschont. Ähnlich wie ein Vulkan brechen die kleinen auch mal aus, sei es in Form von Temperaments- Ausbrüchen, oder aus der total kahlgefressenen Wiese. Fast Food ( fette grüne Wiese )verträgt der kleine Vulkanier gar nicht!
Die in Island lebenden Exemplare ernähren sich spärlich von Moosen, Flechten und anderen (Un)Kräutern. Es gibt dort weder blutrünstige “Flugobjekte”, noch irgendwelche Bäume , an denen man sich den “Arsch aufreißen” könnte. Aufgrund des Einreiseverbots, ist ein Kur-Aufenthalt der haarlosen deutschen Exemplare in Island leider nicht möglich.
Isländer werden oft weit über 30 Jahre alt und können sogar bis ins hohe Alter noch geritten werden. Da sie die Füße dann nicht mehr ganz so schnell hoch bekommen, sollte man in dem Alter nicht mehr über glühende Lavafelder knattern.......
Von den Isis kommt übrigens auch der Ausdruck :
- ”Heiß gelaufen”
- “lítill vulcan með gírkassa bilun” das heißt “Kleiner Vulkanier mit Getriebeschaden”
das passt immer.....